Die Illusion der „einen Ursache“
Über die Grenzen der Medizin und den Wert einer klugen Strategie.

Wir haben uns daran gewöhnt, Gesundheit als eine Art “binären” Zustand zu betrachten: Krank oder Gesund. Ursache oder Wirkung. Doch wer sich tiefer mit der Biologie des Menschen beschäftigt, merkt schnell: Die Realität ist oft weitaus bescheidener.
Die Grenze unseres Wissens
In der Medizin jagen wir oft einem Phantom nach: der einen, wahren Ursache. Doch was bedeutet das eigentlich? Eine Ursache ist in der Wissenschaft oft nur der Punkt, an dem unser aktuelles Wissen endet. Vor hundert Jahren noch suchten wir Ursachen, die heute belächelt werden. In zehn Jahren werden wir über heutige Gewissheiten vermutlich den Kopf schütteln.
Wissenschaft ist also kein Ziel, sondern ein Prozess, weshalb es auch keinem Therapeuten schlussendlich möglich ist “wahre” Heilung zu garantieren oder eine volle Genesung zu versprechen, denn aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir das komplexe Zusammenspiel des Lebens niemals vollständig „besitzen“.
Die Kunst des Symptom-Managements
Was also tun, wenn die tiefsten Ursachen einer Krankheit oder auch nur eine Kombination mysteriös anmutender Symptome im Verborgenen bleiben oder sie sich durch Einschränkungen in der aktuellen Forschung einfach noch nicht wirklich greifen lassen?
Hier obliegt es dann der Kunst der therapeutischer Intelligenz, dem Körper und Geist des Klienten den Raum zu geben, sich zu regulieren, Schmerzen zu lindern und die Vitalität zu steigern, während man die Zeit gewinnt, weiter zu forschen und nach bisher nicht realisieren Lösungen zu suchen. Der Kern wahrer Fürsorge ist eben auch die Lebensqualität im Hier und Jetzt zu sichern, statt auf ein Irgendwann zu warten.
Fazit
Wir sollten aufhören, uns durch das Fehlen der „einen Ursache“ entmutigen zu lassen. Heilung ist ein Weg, kein Zielpunkt. Und auf diesem Weg ist eine kluge Steuerung der Symptome oft der wichtigste Meilenstein. Wie schon Laotse sagte: “Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt”.


Erinnert mich gerade daran wie die systemische Unterdrückung von Frauen und deren Folgen jahrhundertelang mit Hysterie bezeichnet wurden.